(entnommen aus der Festschrift zum 100-jährigen Gemeindejubiläum von 1996,redaktionell angepasst und aktualisiert)

Die Freien evangelischen Gemeinden haben ihre geschichtlichen Wurzeln in der europäischen Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts. Diese führte zur Bildung von Gruppen, denen der sonntägliche Gottesdienstbesuch nicht genügte und die deshalb auch in der Woche zusammenkamen, um gemeinsam die Bibel zu studieren.

Bedingt durch seine geographische Lage im Schnittpunkt dreier Länder (Hessen-Nassau, Hessen-Darmstadt, Preußen) und später dreier Landkreise (Biedenkopf, Dillkreis, Wetzlar) empfing Bischoffen geistliche Impulse aus sehr verschiedenen Richtungen.

Von den ersten evangelistischen Verkündigungen in Bischoffen wird vom „Herborn-Dillenburger Gemeinschafts- und Erziehungsverein“ berichtet. Einen größeren Einfluß auf die Entstehung einer Freien evangelischen Gemeinde hatte jedoch die Tätigkeit der Brüder der ‘Waisen- und Missionsanstalt’ in Neukirchen / Niederrhein. Hier sind besonders folgende Brüder zu nennen, von deren segensreichem Dienst berichtet wird: Inspektor Mandel, Prediger Gustav Klein, Prediger Örter.

Das Jahr 1896 gilt als das Gründungsjahr der Freien evangelischen Gemeinde Bischoffen. Unter der klaren Verkündigung eines Pfarrers Vohwinkel in Altenkirchen war es auch unter den Hörern aus Bischoffen zu Bekehrungen gekommen. Eine Gruppe von Gläubigen versammelte sich nun regelmäßig unter der Leitung von Georg Römschied (Lepse Opa) in den Häusern Karl Schmidt und Panz. Im Laufe der weiteren Jahre haben dann noch verschiedene Prediger in den Dörfern der Umgebung in Gottesdiensten das Evangelium verkündigt und die jungen Gemeinden im Hinterland im Glauben gestärkt. Als nach einer größeren Erweckung im Jahre 1908 die Mitgliederzahl der Gemeinde in Bischoffen wuchs, nahm Wilhelm Beecht die Gemeinde in seinem Haus auf.

Im Jahr 1920 wird von dem offiziellen Anschluß an das sogenannte Predigtgebiet ‘Hartenrod und Umgebung’ im Bund Freier evangelischer Gemeinden Deutschlands berichtet, ebenso von einer weiteren Erweckung unter der Verkündigung des Evangelisten Schmalenbach.

Bald entschloss sich die Gemeinde, ein eigenes Gemeindehaus zu bauen, das dann am 27.06.1926 in einem festlichen Gottesdienst eingeweiht werden konnte. Der Zweite Weltkrieg brachte manche Nöte auch in die einzelnen Familien der jungen Gemeinde. Gegen Ende des Krieges wurde das Gemeindehaus beschlagnahmt und als Wehrmachtslager verwendet. Während dieser Zeit konnte die Gemeinde ihre Veranstaltungen im Haus von Maria Pfeiffer durchführen. Nach dem Krieg kam es zu einer Erweckung unter der Jugend. Durch gute Kontakte mit der Christlichen Versammlung (Brüdergemeinde) entstand eine gemeinsame Jugendarbeit.

In der Folgezeit wurde das Gemeindeleben bereichert durch die Mitarbeit von Ludwig Ungemach, der früher als Lehrer in Bischoffen tätig gewesen war und im Jahre 1950 wieder nach dort zurückkam. Er hatte eine besondere Lehrgabe, die er in den Dienst der Gemeinde stellte und verstand es, auch jüngere Mitarbeiter zu motivieren.

Von 1973 bis 1993 war die Freie evangelische Gemeinde Träger der Schwesternstation des Ortes. Den diakonischen Dienst an Alten und Kranken tat zunächst Schwester Gertrud Monning, später Schwester Hilde Haas. Trotz umfangreicher Um- und Anbauten am alten Gemeindehaus in der Günteroder Straße fehlte doch bald Raum für Gruppenarbeiten in Sonntagschule, Jugend und weiteren Kleingruppen. Da weitere Ausdehnungsmöglichkeiten nicht gegeben waren, beschloß die Gemeinde 1975, ein neues Gemeindehaus zu bauen. In der Königsberger Straße wurde ein passendes Grundstück gefunden; nach vielen Vorbereitungen wurde das Haus dann fast vollständig in Eigenleistung errichtet und am 19.12.1982 eingeweiht. Aufgrund positiver Entwicklung der Mitgliederzahl sowie erhöhtem Anspruch an technische Ausstattung und insbesondere dem Wunsch nach mehr Gruppenräumen entsprechend, beschloss die Gemeinde Mitte 2008, das bestehende Gemeindehaus zu modernisieren und einen Erweiterungsbau zu erstellen. Diese Maßnahme wurde von Ende 2008 bis gegen Ende 2009 umgesetzt. Am 29.11.2009 wurde das nunmehr modernisierte und erweiterte Gemeindezentrum in einem feierlichen Gottesdienst seiner Bestimmung übergeben.

Seit 1988 besteht eine Patenschaft für die noch junge Freie evangelische Gemeinde in Innsbruck, mit der man sich – vor allem im Gebet – besonders verbunden fühlt und deren Arbeit finanziell unterstützt wird.

Chöre

Der Gemischte Chor der Gemeinde wurde im Jahre 1919 gegründet und ist seit 1929 Mitglied im Christlichen Sängerbund. Im Jahre 1994 konnte der Chor sein 75-jähriges Jubiläum feiern. Ein Männerchor wurde in 1958 gegründet, ebenso bestand von 1979 bis 1993 ein Jugendchor. Der Singedienst der Chöre geschieht hauptsächlich in Gemeindegottesdiensten, bei besonderen Veranstaltungen sowie bei Alten und Kranken. Leider bestehen diese Chöre seit einigen Jahren nicht mehr. Die Gottesdienste werden seitdem von verschiedenen Lobpreisteams musikalisch begleitet.

Sonntagschule

Eine eigene Sonntagschularbeit besteht seit 1927. Bis dahin gingen die Kinder in eine bereits bestehende Sonntagschule der Christlichen Versammlung (Brüdergemeinde). Begonnen wurde die Sonntagschularbeit von Heinrich Wetz; nach ihm wurde diese wichtige Arbeit von verschiedenen jüngeren Frauen und Männern der Gemeinde getan. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde von Bischoffen aus auch im Nachbarort Ahrdt über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig Sonntagschule gehalten. Zur Zeit findet die Sonntagschule zeitgleich mit dem Gottesdienst, jeweils sonntags von 10.30 Uhr bis 11.30 Uhr in verschiedenen Altersgruppen, statt.

Jugendarbeit

Nach dem zweiten Weltkrieg vollzog sich ein Aufbruch unter der Gemeindejugend. Damit war der Anfang zu einer Jugendarbeit im Jahre 1946 gemacht, die zuerst von Otto Höferhüsch geleitet wurde. Durch gute Kontakte zwischen den jüngeren Leuten der Freien evangelischen Gemeinde und der Christlichen Versammlung (Brüdergemeinde) wurde die Jugendarbeit zeitweise gemeinsam durchgeführt. Aktuell besteht eine Teen-/Jugendarbeit, die sich unter Bezugnahme auf die Lage des Gemeindehauses den Namen „Kings Hill“ gegeben hat. Diese Arbeit wurde von 2011 –  2014 von dem Pastorenehepaar Anne und Nikolai Loewen verantwortlich durchgeführt. Inzwischen hat sich aus  den Jugendlichen heraus ein Mitarbeiterteam gebildet welches diesen Arbeitsbereich leitet.

Gemeindeleitung

In den späten fünfziger und in den sechziger Jahren erlitt die Gemeinde schmerzliche Verluste durch den Tod einiger noch recht junger Männer. Nach dem Tod der beiden langjährigen Gemeindeältesten Wilhelm Beecht und Karl Albert war der Generationswechsel in der Gemeindeleitung vollzogen. In der Gemeindeversammlung am 15.04.1967 wurde Arno Sältzer zum Ältesten gewählt, später wurde er durch einige Mitälteste in seinen Aufgaben unterstützt. Zur Zeit besteht die Gemeindeleitung neben dem Pastor Jochen Paul aus Nikolai Löwen, Frank Wagner und Ernst Müller.

Prediger / Pastoren

Entsprechend der üblichen Struktur in Freien evangelischen Gemeinden war die Gemeinde Bischoffen im Laufe ihres Bestehens aus unterschiedlich Orten zusammengesetzten Predigtbezirken zugeordnet. Zur Zeit besthet der Predigtbezirk aus den Freien evangelischen Gemeinden Siegbach-Oberndorf und Bischoffen. Die für Bischoffen zuständigen Prediger / Pastoren waren im Lauf der Zeit folgende:

Friedrich August Dücker: 1901 – 1937;
Gerhard Monning: 1934 – 1952;
Hans Flick: 1952 – 1961;
Kurt Gutberlet: 1962 – 1968;
Hans Georg: 1968 – 1979;
Gerhard Fuhrmann: 1979 – 1980;
Helmut Mann: 1980 – 1996.
Achim Kubik: 1997 – 2004
Reinhard Nitsch: 2004 – 2011
Jochen Paul ab 2012

Vertiefende Literatur:

Jubiläumsschrift: „Freie evangelische Gemeinden im südlichen hessischen Hinterland“, 1982 Dr. Gerhard Lehmann: „Der Wind bläst, wo er will …“ (nicht mehr im Handel erhältlich), 1974 Erdlenbruch/Ritter: „Freie evangelische Gemeinden“, 1990
Wolfgang Dietrich (Hrsg.): „Ein Act des Gewissens – Geschichte und Theologie der Freien evangelischen Gemeinden“ (2 Bände), 1988

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